|
Igel gefunden, was nun? – unsere Tierarztpraxis hilft.
Wie jedes Jahr um diese Zeit gibt es viele kleine und kranke Igel, die unsere Hilfe benötigen. In unserer Tierarztpraxis nimmt man sich solcher Findlinge gern an.
Zu unseren Öffnungszeiten Montag bis Freitag von 09:00 bis 11:30 Uhr und von 15:00 bis 18:00 Uhr, sowie mittwochs in der Zeit von 09:00 bis 11.30 Uhr und sonnabends von 09:00 bis 11:00 Uhr können Sie uns die Igel in der Tierarztpraxis vorbeibringen. Außerhalb der Öffnungszeiten erreichen Sie uns unter der Telefonnummer 0375 5640414 bzw. unter der Mobilfunknummer 0152 22970989. Unter der E-Mail-Adresse zwickau-igel@telecolumbus.de erhalten Sie weitere wichtige Hinweise und können mit uns Kontakt aufnehmen.
Die Tiere werden in eine kleine private Igelstation vermittelt, in der sie dann kostenlos bis zum Antritt ihres Winterschlafs „aufgepäppelt“ und im Frühjahr wieder ausgewildert werden, die Auswilderung erfolgt in den meisten Fällen am Fundort.
Nicht jeder Igel braucht Hilfe – aber jede Hilfe muss richtig sein!
Welche Igel brauchen Hilfe?
Verletzte, kranke, apathische Igel, verwaiste Igelsäuglinge sowie Igel, die nach Wintereinbruch, d. h. bei Dauerfrost und/oder Schnee herumlaufen. Igel, die tagsüber herumtorkeln oder gar auf der Wiese liegen und sich kaum einrollen und evtl. mit Fliegenmadeneiern besetzt sind.
Erste Hilfe
Igel immer auf Verletzungen untersuchen, unterkühlte Igel in einem hochwandigen Karton (Igel sind gute Kletterer) wärmen (Unterkühlung, d. h. wenn sich der Igel an der Bauchseite deutlich kälter anfühlt als die eigene Hand, (Wärmflasche mit einem Handtuch umwickeln; ein Handtuch ohne Aufhänger und Löcher oder heraushängende Fäden verwenden – Verletzungsgefahr! Kein Heizkissen – Gefahr durch das Annagen des Stromkabels und entstehender Nässe, wenn der Igel sein “Geschäft“ verrichtet. Der Igel muss der Wärme ausweichen können, d. h. eine Seite des Kartons mit Zeitungspapier in gleicher Höhe wie die Wärmflasche ausfüllen.
Außenparasiten entfernen, Igel nie komplett besprühen mit Floh- bzw. Milbenmittel, nur auf das Rückrat auftragen, den Kopf dabei gut abdecken, kleine und schwache Igel wenn möglich gar nicht besprühen.
Füttern mit Katzen- bzw. Hundedosenfutter sowie Trockenfutter für Katzen, niemals Milch, nur Wasser oder Fencheltee. Die Annahme, dass Igel Milch trinken, beruht auf einer alten Überlieferung in der Literatur.
Frisst der Igel in der Nacht nach der Aufnahme nicht, bitten wir Sie, sich mit unserer Tierarztpraxis in Cainsdorf in Verbindung zu setzen.
Nach dem neuesten wissenschaftlichen Stand sollte das Gewicht eines Igels Ende November mindestens 700 Gramm betragen, da ein mehrmaliges Aufwachen in den doch relativ warmen Wintern zu einem hohen Gewichtsverlust führt.
Igelgrundwissen
Igel gehören zu den ältesten noch existierenden Säugetierformen, sie sind dämmerungs- und nachtaktive insektenfressende Winterschläfer.
Erwachsene Igel haben eine Körperlänge von 24 bzw. 28 cm, wiegen zwischen 800 und 1500 Gramm und haben zirka 6000 bis 8000 Stacheln.
Ein zusätzliches Sinnesorgan ist das Jacobsonsche Organ, begegnet einem Igel ein ihm unbekannter Geruch oder Stoff, beriecht und bekaut er diesen, bis schaumiger Speichel entsteht, mit dem er sich dann auf dem Rücken bespuckt. Diese Eigenart des Igels hat natürlich, wie viele Jahre fälschlicherweise vermutet, nichts mit Tollwut zu tun. Igel können ein Alter von bis zu 7 Jahren erreichen, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt jedoch bei 2 bis 4 Jahren.
Die Paarungszeit liegt zwischen Mai und Ende August. Die Paarungszeremonie nennt man „Igelkarusell“, da das Männchen das Weibchen stundenlang umkreist. Nachwuchs stellt sich dann in den Monaten August/September nach einer Tragezeit von 35 Tagen ein mit durchschnittlich vier Jungen, die zwischen 12 bis 25 Gramm wiegen und mit geschlossenen Augen und Ohren und zirka 100 Stacheln zur Welt kommen. Die Männchen beteiligen sich an der Aufzucht nicht. Die Igelin säugt 42 Tage lang tagsüber, nachts geht sie selbst auf Nahrungssuche. Die Igelchen verlassen nach 25 Tagen erstmals das Nest zur Futtersuche, bei der sie beginnen auch feste Nahrung aufzunehmen, die Mutter begleitet die Jungen nicht und zeigt ihnen auch nicht, was zum Fressen taugt.
Nahrung
Die Hauptnahrung der Igel sind Laufkäfer, Regenwürmer und die Larven von Nachtschmetterlingen, außerdem fressen sie Hundert- und Tausendfüssler, Spinnen und sonstige Insekten. Besonders die braunen und schwarzen Schnecken werden vom Igel verschämt, andere Arten stehen auf seinem Speiseplan. Igel fressen kein Obst und kein Gemüse.
Lebensraum
Ein guter Lebensraum für Igel ist reich gegliedert, z. B. Nistgelegenheiten mit Hecken und Gebüsch.. Sie legen ihre Winterschlafnester vorwiegend unter stützendem Astwerk, etwa in Hecken, unter Bodendeckern, aber auch in Hohlräumen unter Garagen, Schuppen, Holzstapeln o. ä. an. Igeldurchlässige Zäune und Tore ermöglichen ihnen einen großen Aktionsradius. Das Aufstellen einer Trinkgelegenheit nicht nur im Sommer, sondern auch im Herbst ist von Vorteil.
Feinde
Die natürlichen Feinde des Igels sind Uhu, Fuchs und Dachs. Der größte Feind ist jedoch der Mensch durch seine vielfältigen Eingriffe in die Natur. Aufgeräumte Gärten bieten keinen Unterschlupf, im Gegenteil man stört Nistmöglichkeiten.
Dem Igel drohen in seinem Rückzugsgebiet zahlreiche Gefahren durch Elektrosensen, Giftköder, Beerennetze, Garten- und Brauchtumsfeuer, Pestizide und Insektizide, besonders durch Schneckenkorn, Schnüre, Folien, Drahtrollen, Folietüten, Dosen, Becher, Müllsäcke, Rasenmäher, Mistgabeln, Kellertreppen und -fenster sowie Gartenteiche ohne Ausstiegsmöglichkeit, Hülsen von Wäschespinnen, Gullys, Schwimmbecken, Schlagfallen und Laubsauger, diese saugen jegliche Nahrung für Igel auf und im schlimmsten Fall auch kleine Igel mit ein. Ein Laubhaufen im Garten schafft nicht nur einen Schlafplatz für den Igel, sondern gibt noch vielen anderen Kleintieren die Möglichkeit unversehrt über den Winter zu kommen.
Weiterhin kann der Igel durch ein versehentliches Einschließen in Gewächshäusern, Garagen und Geräteschuppen zu Schaden kommen.
Winterschlaf
Anfressen eines Fettpolsters, welches als Energiespeicher dient. Herabsetzen der Körperfunktionen, damit können sie bis zu einem halben Jahr ohne Futter auskommen. Im Winterschlaf verringert sich ihre Herztätigkeit und die Körpertemperatur sinkt von 36 Grad auf 5 Grad ab. Während des Winterschlafs verlieren die Igel 20 bis 40 % ihres Körpergewichts.
Sie können dem Igel helfen, indem Sie ihm in der Nähe seines Schlafplatzes noch bis zum Einbruch des Winters Futter in einer kleinen für Katzen unzugänglichen Behausung anbieten. Gern angenommen werden ungeschwefelte Rosinen, Nüsse, Katzen- und Hundefutter nass oder trocken bzw. spezielles Igelfutter, dieses sollte jedoch nicht als Alleinfutter gereicht werden. Ein Schälchen Wasser sollte nie fehlen. Er wird Ihre Hilfe dankend annehmen und Sie im Frühjahr mit einem frechen Tuckern und Keckern begrüßen.
|