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22.05.2012

 Igelhilfe per Telefon

Vor einiger Zeit erreichte unsere Igelstation ein Hilferuf aus Merseburg.

Vermittelt durch eine ehemalige Zwickauerin, meldete sich bei uns eine Frau Heller. Sie war kurzfristig Mutti geworden. Nun nicht von kleinen Menschlein, sondern von Igeln, die es zu versorgen galt. Wir übernahmen also das Amt der Fernpflege und haben Frau Heller mit vielen Informationen, Tips und praktischen Ratschlägen fit für diese Aufgabe gemacht.

Frau Heller merkt man in den Gesprächen die Begeisterung bei der Bewältigung dieser zeitraubenden Aufgabe an.

Ihre Arbeit für den Naturschutz blieb aber nicht unerkannt. Nach einem Besuch eines Mitarbeiter der Mitteldeutschen Zeitung erschien dieser Artikel, welchen sie uns schickte.

Heller Merseburg

Stachlige Familie: Gabriele Heller mit ihren vier «Kindern auf Zeit» bei der Fütterung. (FOTO: PETER WÖLK)

  Mitteldeutsche Zeitung - Merseburg/Querfurt   -  Saalekreis

 Stachelige Angelegenheit VON FRAUKE HOLZ, 21.10.11

BAD LAUCHSTÄDT/MZ. "Oh, wie süß", liegt einem auf den Lippen, wenn man die Igelbabys sieht, die Gabriele Heller bei sich zu Hause in Bad Lauchstädt aufzieht. Dass die kleinen Insektenfresser jedoch nicht nur niedlich sind, sondern auch viel Arbeit bereiten, weiß die 59-Jährige nur zu gut: "Das kostet nicht nur Kraft, sondern auch Geld, vor allem für Spezialfutter, Küchenpapier und Medikamente."

Vor ein paar Wochen hatte sie die vier Mädchen und den Jungen in ihrem Garten gefunden, "da waren sie gerade einmal so groß wie Walnüsse und haben nur 40 Gramm gewogen", erinnert sie sich. Alle zwei Stunden mussten sie gefüttert werden. Bei fünf hungrigen Mäulern nahm das gut eine Stunde in Anspruch. Anschließend ging es auf eine Wärmflasche, damit sie nicht auskühlten.

Zwischenzeitlich war die Igelfamilie nur zu viert, denn Bubi, der Junge, musste eingeschläfert werden. "Unter Tränen habe ich ihm sein Pfötchen gehalten", sagt sie. Eigentlich wollte sie die Igel auch nicht behalten, aber "die Igel-Auffangstation in Leipzig wollte sie nicht haben, weil sie so klein waren", erzählt Gabriele Heller. Also hat sie letztlich die Rolle der Mutter übernommen. Die notwendigen Informationen zur Aufzucht bekam sie unter anderem vom Tierarzt.

Mittlerweile haben sich die Igel prächtig entwickelt und wiegen - dank Katzenfutter, Igeltrockennahrung und Fenchel-Anis-Kümmel-Tee - knapp 300 Gramm. "Jetzt findet die 'Raubtierfütterung' nur noch drei Mal täglich statt", berichtet Gabriele Heller. Und sie hat dabei alle Hände voll zu tun. Nicht zuletzt aufgrund dessen, dass es nun wieder fünf Igelkinder sind - vor ein paar Tagen brachte ihr Hund ein weiteres Igelbaby nach Hause. "Das war vielleicht ein Schreck, deshalb habe ich ihn auch gleich so genannt", erzählt sie.

Obwohl sie sich nicht zu sehr an die Tiere gewöhnen will, hat sie allen einen Namen gegeben und farblich markiert, um sie auseinanderhalten zu können. Dies wurde ihr von der Igel-Auffangstation in Zwickau empfohlen, wo die Igelkinder bald ihr Winterquartier beziehen.

Im Frühjahr kehren Fleck, Pinki, Murmel, Knirps und Schreck nach Bad Lauchstädt zurück. Zwei der Igel werden bei der ehemaligen Bürgermeisterin Maria Loos wohnen. Für die anderen drei werden noch Tierfreunde gesucht,